Werte, die nur der Fußball vermittelt: Heute Fairplay

Werte, die nur der Fußball vermittelt: Heute Fairplay

Fairplay ist nicht nur eine nette Floskel im Kinderfußball, sondern die Basis dafür, wie unsere Kids später durchs Leben dribbeln. Warum wir Eltern, Trainer und Zuschauer genau da endlich konsequent vorangehen müssen – auch wenn der Gegner komplett wild unterwegs ist.

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Werte, die nur der Fußball vermittelt: Heute Fairplay

Es gibt diese Momente am Spielfeldrand, da möchte man einfach nur im Boden versinken. Nein, nicht weil die Kids 0:6 hinten liegen. Sondern weil sich Erwachsene benehmen, als ginge es hier um Champions League Finale und nicht um die F-Jugend am Samstagmorgen.

Und genau deswegen geht es heute um einen Wert, der im Fußball so derb wichtig ist und gleichzeitig so oft mit Füßen getreten wird: Fairplay.

Bevor ich hier groß aushole: Schau dir dieses kurze Video an, das ist der Kern von allem, worüber wir reden.

Genau darum geht’s: Wir – Eltern, Trainer, Zuschauer – sind das Vorbild. Nicht der Schiri, nicht der DFB, nicht irgendein Profi im Fernsehen. Wir. Direkt dort, am Geländer, zwei Meter neben der Seitenlinie.

Fairplay beginnt nicht auf dem Platz, sondern auf dem Parkplatz

Wenn wir ehrlich sind, fängt das Drama ja schon im Auto an. Das sind so typische Sätze, die Kinder auffangen, auch wenn wir glauben, sie tippen nur am Handy rum:

  • „Heute müssen wir die aber wegballern, die sind voll schwach.“
  • „Der Schiri von letzter Woche war eine Vollkatastrophe, hoffentlich ist der heute besser.“
  • „Gegen die haben wir noch nie gewonnen, heute zählt nur Sieg.“

Und dann wundern wir uns, wenn die Kids später meckern, wenn ein Pfiff gegen sie geht. Mal ehrlich: Wo sollen sie es gelernt haben, ruhig zu bleiben?

Fairplay fängt nicht mit dem Anpfiff an, sondern mit der Haltung, die wir vorleben. Im Auto. Beim Aufwärmen. Beim Smalltalk mit anderen Eltern.

„Aber die anderen sind doch auch unfair!“ – Ja, und?

Das Hauptargument, das man immer wieder hört: „Ja, aber die gegnerischen Eltern schreien doch auch rum. Und der Trainer pöbelt die ganze Zeit den Schiri an. Wir können ja nicht die Einzigen sein, die brav sind.“

Doch, genau das können wir. Und genau das sollten wir.

Das hier ist kein Marketing-Spruch, sondern knallharte Realität: Es ist so viel wichtiger, dass dein Kind Fairplay lernt, als dass es irgendeinen Kreispokal in die Vitrine stellt. Pokale verstauben. Der Charakter bleibt.

Was dein Kind wirklich mitnimmt

Kids lernen nicht durch das, was wir ihnen erzählen, sondern durch das, was wir immer wieder tun. Wenn du bei jedem unberechtigten Einwurf komplett ausrastest, lernt dein Kind:

  • Regeln sind verhandelbar, wenn man nur laut genug ist.
  • Gegner sind Feind, nicht Mitspieler in einem gemeinsamen Spiel.
  • Respekt endet, sobald es unangenehm wird.

Wenn du aber ruhig bleibst, auch wenn der Schiri mal komplett daneben liegt, lernt dein Kind etwas anderes – etwas, das später im Leben Gold wert ist:

  • Man kann ungerechte Situationen aushalten, ohne durchzudrehen.
  • Respekt gilt auch dann, wenn der andere gerade keinen guten Tag hat.
  • Mein Wert hängt nicht am Ergebnis auf der Anzeigetafel.

Fairplay konkret: Was heißt das überhaupt im Kinderfußball?

Fairplay ist so ein Wort, das jeder toll findet. Aber was bedeutet es ganz konkret am Samstagmorgen auf dem Hartplatz im Nachbardorf?

Fairplay auf Seiten der Kinder

Was wir uns von den Kids wünschen (und ihnen beibringen sollten):

  • Kein Nachtreten, kein Schubsen, kein Theatralik-Zirkus.
  • Hand heben, wenn man weiß: „Okay, der Ball war zuletzt bei mir.“
  • Dem Gegenspieler aufhelfen, wenn er hingeflogen ist – auch wenn er nervt.
  • Den eigenen Mitspieler nicht anpflaumen, wenn er einen Bock schießt.

Fairplay auf Seiten der Erwachsenen

Noch viel wichtiger ist aber, was wir Großen tun oder lassen:

  1. Schiris in Ruhe lassen. Ohne die pfeift keiner. Punkt.
  2. Gegnerische Kids nie kritisieren. Die sind nicht „dreckig“, die sind einfach Kinder.
  3. Kein Psycho-Druck auf die eigenen Kinder. Keine Ansage wie „Wenn du heute nicht rennst, sitzt du nächstes Mal auf der Bank“.
  4. Trainer untereinander respektvoll. Kein öffentliches Ausdiskutieren an der Seitenlinie.

Das Ganze ist kein „nice to have“, sondern genau der Rahmen, in dem Kinder überhaupt erst lernen können, fair zu spielen.

Siege vs. Werte – was bleibt wirklich hängen?

Frag dich mal kurz: Wie viele Ergebnisse aus deiner eigenen Kinder- oder Jugendzeit kennst du noch? Vermutlich kannst du dich an ein, zwei krasse Spiele erinnern. Aber was ist wirklich hängen geblieben?

Wahrscheinlich eher sowas wie:

  • Der Trainer, der dich in Schutz genommen hat, als du den Elfer versemmelt hast.
  • Der Kapitän vom Gegner, der sich beim Schiri für dich stark gemacht hat.
  • Diese eine Mannschaft, die immer fair war, auch wenn’s eng wurde.

Genau das sind die Momente, an die sich unsere Kids später erinnern. Nicht, ob sie in der E-Jugend mal Zweiter beim Herbstcup geworden sind.

Fairplay vs. Erfolg – wirklich ein Gegensatz?

Viele meinen ja, Fairplay wäre nett, aber wenn man „weiterkommen“ will, müsse man halt auch mal „dreckig“ spielen. Als ob das eine ohne das andere nicht geht.

Schauen wir uns das mal nüchtern an:

AnsatzKurzfristiger EffektLangfristiger Effekt auf Kinder
„Hauptsache Sieg“Vielleicht mehr gewonnene Spiele, viel Druck, laute EmotionenAngst vor Fehlern, Respektlosigkeit, Frust bei Niederlagen, wenig Freude am Spiel
„Werte vor Ergebnis“Man verliert vielleicht auch mal Spiele, weil man nicht alles ausreiztStarker Charakter, gesunde Fehlerkultur, Respekt, Freude am Fußball – auch ohne Sieg

Für uns als Eltern ist die spannende Frage: Was wollen wir unseren Kindern mitgeben? Einen Pokal mehr im Regal – oder eine Haltung, mit der sie sich später in Schule, Job und Beziehungen nicht komplett verzetteln?

Wie wir als Eltern Fairplay ganz praktisch vorleben können

Fair zu reden ist easy. Fair zu handeln – während der Puls auf 180 ist, weil der Schiri zum dritten Mal nicht das pfeift, was wir gesehen haben – ist die eigentliche Challenge.

Konkrete Situationen, in denen wir den Unterschied machen

  • Beispiel 1: Klar falscher Einwurf.
    Statt: „Ey, Schiri, bist du blind?!“
    Besser: Einmal tief durchatmen, die Hände in die Tasche stecken und den Kids signalisieren: „Weiter geht’s, Kopf hoch.“
  • Beispiel 2: Dein Kind wird gefoult.
    Statt zum Kind: „Der hat dich absichtlich umgehauen, lass dir das nicht gefallen!“
    Besser: „Hartes Foul, ja. Und jetzt steh auf, atme durch. Du packst das.“
  • Beispiel 3: Trainer des Gegners flippt aus.
    Statt: „Was ist das denn für ein Vogel?“ (laut und für alle hörbar).
    Besser: Zu den Kids: „Wir bleiben bei uns. Wir machen unser Spiel.“

Das wirkt unspektakulär, aber genau hier wird Charakter gebaut. Nicht in den Insta-Sprüchen, sondern in diesen Mini-Momenten am Spielfeldrand.

Trainer-Rolle: Du bist mehr als Taktiktafel und Wechselkarte

Wenn du Trainer bist (oder Co, oder der-der-immer-dabei-ist), dann wirst du es wissen: Die Kids orientieren sich brutal an dir. Wenn du den Schiri respektvoll behandelst, Gruppen auffängst und den Frust der Kinder ernst nimmst, lernen sie mehr als in jeder Fairplay-Schulung.

Was Trainer richtig stark macht

  • Klare Regeln vor dem Spiel.
    Zum Beispiel: Kein Meckern beim Schiri, kein Auslachen von Gegenspielern, kein Abklatschen verweigern.
  • Konsequent bei unsportlichem Verhalten.
    Nicht wegschauen, wenn der eigene Spieler unfair war, nur weil er „unser Bester“ ist.
  • Gegner loben.
    „Starke Aktion von der 7 da drüben.“ – Kids hören das. Alle.
  • Niederlagen einordnen.
    „Heute haben wir verloren, aber du hast mutig weitergespielt, obwohl du platt warst. Genau das zählt.“

Und ja, es nervt manchmal. Vor allem, wenn auf der anderen Seite einer rumläuft, der komplett das Gegenteil vorlebt. Aber genau dann wird’s spannend: Bleiben wir bei unseren Werten, auch wenn es schwer ist?

Warum Fairplay mehr ist als „nicht foulen“

Fairplay im Kinderfußball wird oft auf „nicht foulen“ und „abklatschen nach dem Spiel“ reduziert. Das ist nett, aber eigentlich nur die Oberfläche.

Eigentlich geht es um viel mehr:

  • Umgang mit Fehlern – ob eigener oder fremder.
  • Respekt vor Autoritäten – ohne blind zu sein, aber ohne dauernd dran rumzusägen.
  • Selbstkontrolle – nicht jeder Impuls muss rausgebrüllt werden.
  • Empathie – zu merken: Der Gegner ist auch nur ein Kind, das heute gut oder schlecht drauf ist.

Das sind Skills, die später in der Schule, im Job, in Beziehungen mit Partnern, Kollegen, Freunden permanent gebraucht werden. Fußball ist da einfach nur unser genialer Übungsplatz.

Wie Geschichten helfen können, Fairplay greifbar zu machen

Manchmal kommt man mit Reden nicht mehr weiter. Kinder schalten irgendwann auf Durchzug, wenn sie das hundertste Mal „Sei fair!“ hören, während gerade wieder irgendein Drama auf dem Platz läuft.

Was häufig besser funktioniert: Geschichten. Situationen, die sie kennen, aber mit etwas Abstand erleben. Deswegen haben wir bei ballstories.kids die Möglichkeit eingebaut, beim Buch-Erstellen einen Werte-Fokus zu wählen – unter anderem Fairplay.

In diesen Fußballgeschichten ist dein Kind der Star. Auf dem eigenen Platz, mit echten Freunden, manchmal auch mit nervigen Gegenspielern – und genau in diesen Szenen wird Fairplay durchgespielt:

  • Der eigene Held entscheidet sich im Buch bewusst gegen eine Schwalbe.
  • Er oder sie hilft einem Gegenspieler auf, obwohl alle anderen schon weitergerannt sind.
  • Die Mannschaft fängt einen Mitspieler auf, der einen dicken Bock geschossen hat.

Das Ganze ohne Moralkeule, sondern als Teil einer spannenden Story. Kinder kapieren sehr schnell, wer sich wie verhält – und warum das stark ist.

Wenn du Bock hast, genau das bei deinem Kind zu stärken, kannst du beim Erstellen eurer Geschichte einfach „Fairplay“ als Fokus-Wert auswählen und den Rest macht die Story für euch: hier geht’s zum Konfigurator.

Praktischer Mini-Check: Wie fair sind wir wirklich?

Zum Abschluss ein kleiner Selbstcheck – ganz ohne Bewertung, nur zur Einordnung. Wie oft trifft das auf dich zu?

  • Ich habe im letzten Monat mindestens einmal laut den Schiri kritisiert.
  • Ich habe schon mal vor meinem Kind über einen „unsympathischen“ Gegner abgelästert.
  • Ich habe nach einem bitteren Spiel vor allem über den Schiri oder den Platz geredet – nicht über unsere eigenen Chancen, es beim nächsten Mal besser zu machen.
  • Ich war stolz auf mein Kind, weil es fair geblieben ist – und habe das aktiv gelobt.

Wenn du bei den ersten drei Punkten innerlich genickt hast: Willkommen im Club. Das geht uns allen so. Die spannende Frage ist nicht, ob wir perfekt sind, sondern ob wir bereit sind, es beim nächsten Spiel ein bisschen besser zu machen.

FAQ: Fairplay im Kinderfußball

Ab wann sollten Kinder Fairplay lernen?

Im Prinzip ab dem ersten Tag, an dem sie irgendeine Form von organisiertem Fußball spielen. Schon in den Bambinis können wir mit ganz einfachen Dingen anfangen: abklatschen, Gegner nicht auslachen, Hand geben, aufhelfen. Je früher das normal wird, desto weniger „Umerziehen“ ist später nötig.

Was mache ich, wenn der gegnerische Trainer permanent unfair auftritt?

So schwer es fällt: Bleib bei dir und deinem Team. Erkläre deinen Kids in einer ruhigen Minute, warum ihr trotzdem respektvoll bleibt. Wenn es zu krass wird, kannst du das Thema sachlich mit dem Verein oder Schiri besprechen – aber bitte nicht an der Seitenlinie vor den Kindern ein Fass aufmachen.

Soll ich mein Kind korrigieren, wenn es den Ball nicht freiwillig dem Gegner gibt?

Ja, aber nicht vor allen anderen mit Anschreien und Drama. Nimm es kurz zur Seite, erklär die Situation („Du wusstest, dass der Ball zuletzt bei dir war, oder?“) und sag klar, was du dir wünschst („Beim nächsten Mal heb bitte kurz die Hand und sag es dem Schiri“). Kinder brauchen Orientierung, aber ohne öffentliche Demütigung.

Wie kann ich Fairplay loben, ohne mein Kind peinlich zu berühren?

Mach es konkret und kurz. Statt „Du bist so ein fairer Spieler“ lieber: „Ich fand stark, wie du eben dem Gegenspieler aufgeholfen hast, obwohl du selbst frustriert warst.“ Kinder merken, dass du die Situation gesehen hast – das reicht oft schon und baut positiv auf.

Kann eine Geschichte mit Fairplay-Fokus wirklich etwas verändern?

Sie ersetzt natürlich keine echte Vorbildfunktion am Spielfeldrand. Aber sie kann mega helfen, dass dein Kind sich in solchen Situationen wiedererkennt und innerlich schon mal „durchgespielt“ hat, wie es reagieren will. Wenn dein Kind dann auf dem Platz steht und die Szene ähnlich läuft wie im Buch, ist die Chance ziemlich groß, dass es sich an den Helden aus seiner Geschichte erinnert – und genau so handeln möchte.

Wenn du das ausprobieren willst: Bei ballstories.kids kannst du beim Erstellen der personalisierten Story einfach Fairplay als Fokus-Wert wählen. Die Geschichte spielt mit eurem Verein, euren Freunden und genau den Werten, die euch wichtig sind.

Und jetzt: Nächstes Spiel. Gleicher Platz. Gleiche Linie. Aber vielleicht eine kleine Sache besser als letztes Mal.

Fairplay ist kein Schalter, den man einmal umlegt. Es ist eine Haltung, die wir unseren Kids jeden Samstag wieder zeigen müssen.

Verdammt nochmal.

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